Wir waren wieder einmal nicht schnell genug. Wir haben es nicht kommen sehen. 60 Tonnen, Einzelradaufhängung gegen 75 Kilo, 22 Zoll Carbonfelgen im Pulk – hoffnungslos. Auch 200 PS aufwärts stechen auf den letzten Metern nicht. Wir sind zum Ausharren verdammt, alle, ausnahmslos. Immerhin, wir werden auch bezahlt, wenn wir nur rumstehen.

In der Leitstelle sitzen sie dagegen jetzt auf heissen Kohlen. Dutzende Trampilotinnen und Piloten melden sich gleichzeitig. Einige müssen abgelöst werden und stehen irgendwo auf der Strecke, aber nicht da, wo ihre Ablöse sie erwartet. Oder eine Türe streikt, die Weiterfahrt ist blockiert, die Fahrleistung hängt durch, eine Sicherung ist rausgeflogen, und noch viele unerwartete Freuden mehr. Die Kadenz der Durchsagen nimmt sprunghaft zu. Besonders beliebt unter uns: die Trams erhalten von der Leitstelle eine neue Kursnummer.

Jede Umleitung, jede noch so lapidare Störung bringt die Reihenfolge der Kurse durcheinander. Und wenn es irgendetwas gibt, was uns zutiefst zuwider ist, dann ist es Unordnung: Auf dem Streckennetz, auf den Gleisen, in der Zvieribox. Ein neuer Kurs fordert uns auch sportlich. Sobald wir auf der Strecke das Tram mit „unserer“ Kursnummer sehen, versuchen wir die oder den Kollegen per Blinker und gekreuzten Unterarmen zum Anhalten und Abtauschen zu bewegen. Manch sportlicher Kollege bringt es bei einer Linie auf eine zweistellige Zahl an Wechseln. Ratzfatz wird das Tram gesichert, werden Tasche und Jacke gepackt und ab geht’s. Es sind 43 Meter bis zum Cockpit des anderen und die Zeit läuft. Und dann rennt Lola.

Eine Kolumne mit Augenzwinkern von Ingeborg Spillmann.w4kmeO