«Schau, das Eis ist krank», sagt Uruqi Xhevat mit besorgtem Gesichtsausdruck, als er an diesem frühen Februarmorgen die Eisfläche der Dolder Kunsteisbahn betritt. Tatsächlich hat das Sturmtief «Sabine» seine Spuren hinterlassen und viel Laub auf die drei Eisfelder mit einer Gesamtfläche von 6’000 Quadratmetern geblasen. Kaum gesagt, sitzt Uruqi schon auf seiner Zamboni-Eismaschine und dreht seine Runden, um das Eis aufzubereiten. Viel Zeit bleibt nicht, denn schon um 9 Uhr kommen die ersten Gäste – und bis dann soll das Eis wieder «gesund» sein.

Dolder Kunsteisbahn Eismeister

Seit 20 Jahren ist Uruqi Xhevat, den hier oben der Einfachheit halber alle nur «Jack» nennen, als Eismeister für perfektes Eis auf der Dolder Kunsteisbahn verantwortlich. Als der damals aus dem Kosovo in die Schweiz kam, bewarb er sich im Dolder zuerst auf eine Stelle als Küchenaushilfe. Das war nicht seine Welt – das musste er sich schon nach wenigen Tagen eingestehen. Er fragte den damaligen Betriebsleiter nach einer Arbeit im Freien. So wurde er im Sommer 2000 erstmals Bademeister im Dolder Bad und in der darauffolgenden Wintersaison als Eismeister angelernt.

«Den Beruf des Eismeisters gibt es eigentlich gar nicht, weil dafür keine Ausbildung existiert. Mich hat der damalige Chef-Eismeister eingeführt. Er hat mir das Handwerk von der Pike auf gelehrt», erinnert sich Uruqi. Dass er ursprünglich eine Ausbildung zum chemischen Laboranten absolviert hatte, kam ihm dabei sicher zu Gute. Um sich mit allen Eigenheiten des Eises vertraut zu machen, brauche es rund drei Saisons. «Nach dieser Zeit kann man einen Eismeister auch einmal allein lassen», witzelt er. Heute führt Uruqi Xhevat als technischer Leiter von Dolder Sports sechs Eismeister und besitzt gleich neben dem Eisfeld ein eigenes, kleines Büro. Trotzdem ist er noch immer am liebsten auf seiner Zamboni-Eismaschine unterwegs. «Für mich ist das die pure Freiheit. Ich liebe es, bei jedem Wetter draussen zu sein und mit der Zamboni das Eis zu machen.»

Dolder Kunsteisbahn Eismeister

Gewöhnlich wird das Eis der Dolder Kunsteisbahn alle zwei Stunden «geputzt» und frisch aufbereitet. Dabei wird mit der Eismaschine der Abrieb eingesammelt und eine ganz dünne Schicht Eis abgetragen. Gleichzeitig wird hinten Wasser ausgeschüttet, um neues Eis zu produzieren. «Unter der Eispiste befindet sich eine Kältedecke mit Rohrleitungen, durch die Ammoniak geleitet wird. Dank des tiefen Gefrierpunkts von Ammoniak wird dem Eis die Wärme entzogen und das Wasser gefriert – sogar jetzt, wenn es aussergewöhnlich warm ist für die Jahreszeit», erklärt Uruqi den Vorgang.

Im Rahmen des Umbaus der Dolder Kunsteisbahn vor drei Jahren wurde auch die Kälteanlage saniert. Diese macht den Eismeistern das Leben heute wesentlich einfacher: «Während wir die Anlage früher manuell einstellen mussten, merkt die neue Kälteanlage intuitiv, ob es regnet, windet oder die Sonne scheint und passt den Ammoniak-Ausstoss automatisch an», sagt Eismeister «Jack». Ganz ohne Eingreifen geht es aber trotzdem nicht, weshalb Uruqi auf seinem Handy regelmässig die Wettervorhersage prüft. Bei der Grösse des Eisfeldes kann insbesondere konstant starker Schneefall dafür sorgen, dass der sonst so entspannte Eismeister auch einmal unter Druck gerät: «Wenn es intensiv schneit, kommen wir mit den zwei Eismaschinen bei der Räumung des Eisfeldes einfach nicht mehr nach und auch die Eisgruben können all den Schnee gar nicht mehr fassen.» Zumindest in diesem warmen Winter 2020 ist dieses Szenario aber bisher nicht eingetroffen.

Uruqi Xhevat hat auf der Dolder Kunsteisbahn seinen Platz gefunden und würde seinen Job gegen nichts eintauschen wollen. «Mit meiner Arbeit verhält es sich ein bisschen wie mit einer Frau: Verliebt man sich erst einmal in sie, bleibt man für immer», schmunzelt er. Seit er 1999 zur Dolder Kunsteisbahn kam, hat er nur ein einziges Mal den Versuch unternommen, sein Glück anderswo zu versuchen und trat eine Stelle in einer Eishalle an. «Dort herrscht konstant die gleiche Temperatur und Feuchtigkeit – nie im Leben hätte ich dort bleiben wollen.» Und so kam er nach nur wenigen Tagen zur Dolder Kunsteisbahn zurück – und wurde mit offenen Armen empfangen.Trotz seiner Faszination für die magische Materie Eis – auf den Schlittschuhen wird man «Jack» kaum je antreffen. «Ich gehe schon gerne aufs Eis, aber nur mit der Maschine», lächelt er, fährt auf seiner Zamboni davon und dreht noch eine Runde auf seinem geliebten Eis.

Die Dolder Kunsteisbahn ist noch bis zum 8. März 2020 geöffnet. Am 29. Februar 2020
(17 bis 22 Uhr) findet zum Saisonabschluss die Eisdisco statt.