«Infra3DRail» ist ein Geoinformationssystem (GIS) des Unternehmensbereichs Infrastruktur bei den VBZ und dient Abteilungen wie der Betriebssteuerung, der Marktentwicklung, dem Haltestellen- oder Immobilienmanagement sowie anderen städtischen Departementen zu Analysezwecken, um beispielsweise Unklarheiten im Strassenverkehr vom Arbeitsplatz aus zu veranschaulichen oder klären zu können.

Der Unterschied zu anderen Geo-Applikationen wie beispielsweise Google Street View besteht darin, dass aus den Bildern Lage- und Höheninformationen herauszulesen sind. Durch mehrere Blickwinkel und eine vollumfängliche Bildabfolge des Tramnetzes können exakte Messungen von Distanzen durchgeführt und Koordinaten bestimmt werden. «Diese visuelle Darstellung ist sehr hilfreich, wenn es zum Beispiel darum geht, Signalisierungen zu prüfen oder Höhenmessungen von Fahrleitungen vorzunehmen», erklärt Timon Züger, GIS-Fachspezialist bei der VBZ Infrastruktur.

Pilotprojekt am Puls der Zeit

Bereits 2013 lancierten die VBZ «Infra3DRail» im Rahmen eines Pilotprojekts. Ein Auftrag vom Bundesamt für Verkehr (BAV) schrieb vor, aufgrund von geänderten Ausführungsbestimmungen die Sicherheitsabstände auf den Perrons zu überprüfen. Die Datengrundlagen über das gesamte Tramstreckennetz reichten jedoch nicht aus. «Es konnte nicht zu hundert Prozent sichergestellt werden, dass sich beispielsweise ein Wartebänkchen tatsächlich dort befand, wo es in der Datenbank aufgeführt war», erklärt Züger. Man entschied sich für die Beschaffung der Applikation «Infra3DRail». Damit liess sich fortan die gesamte Infrastruktur VBZ via Webbrowser direkt im Büro anzeigen.

«Das Tool von damals ist von den Möglichkeiten her natürlich nicht mehr zu vergleichen mit der jetzigen Version. Das heutige System bietet eine Panoramaansicht, die Navigation wurde vereinfacht und es werden auch regelmässig Aktualisierungen vorgenommen. Denn die Qualität und die Zuverlässigkeit der Daten sind schliesslich das Herzstück der Applikation», betont der GIS-Fachspezialist. Das System lebt von vielen Informationen, die aus allen Unternehmensbereichen stammen. So sei es wichtig, dass Fehler gemeldet würden. «Wenn jemandem beispielsweise auffällt, dass eine Weiche revidiert wurde und dies im System so nicht hinterlegt ist, sind wir dankbar, wenn man uns dies mitteilt.»

Datenschutz wird grossgeschrieben

Bei allen Möglichkeiten, die die Daten bieten, ist es den VBZ wichtig, dass sämtliche Daten geschützt werden. Alle Bilder sind gemäss Bundesstandards anonymisiert, sodass keine Personen und Autonummern erkennbar sind. Die erweiterte Version ist zudem durch Systempasswörter geschützt, so dass ausschliesslich geschulte Personen spezifische Daten herausziehen können. Die Viewversion – ohne zusätzlichen Login – enthält ausserdem nur Funktionen wie zum Beispiel Fahren, Kamera wechseln oder Fotos machen.

Jährliche Messungen

Um die Daten nicht nur sicher, sondern auch aktuell zu halten, ist das Messfahrzeug der VBZ jährlich aufs Neue unterwegs, um den Ist-Zustand, beziehungsweise die Baustellen vom Vorjahr, berücksichtigen zu können. Drei Kameras mit Blickwinkeln nach vorne, zur Seite und auf die Gleise plus eine Panorama-Kamera ermöglichen einen Rundumblick und machen so das ganze VBZ-Tramnetz visuell zugänglich.

Doch wie ist es möglich, mit diesen Aufnahmen Punkte zu messen oder Höhen zu erkennen? «Sehr vereinfacht ausgedrückt, filmen zwei Kameras den mehr oder weniger gleichen Bildausschnitt. Die Bilder können anschliessend übereinandergelegt werden und es entsteht im Bild eine Tiefe, die es ermöglicht, Objekte zu digitalisieren. Diese Technik nennt man Photogrammmetrie», erklärt Züger. Das Tool wurde so konzipiert, um für zukünftige Erweiterungen gerüstet zu sein. Sollten beispielsweise neue Strecken gebaut werden, können diese Änderungen im Rahmen der jährlichen Nachbefahrung aufgenommen und im System integriert werden.